Wissenschaftliches Schreiben: 10 Fehler, die deine Note kosten
Wissenschaftliches Schreiben ist kein Hexenwerk. Aber es gibt Fehler, die sich durch fast jede Bachelorarbeit ziehen. Nicht weil Studierende es nicht können, sondern weil ihnen niemand gesagt hat, worauf Prüfer achten. Hier sind 10 konkrete Fehler mit Vorher-Nachher-Beispielen.
Umgangssprache im Text
Wörter wie "halt", "irgendwie", "eigentlich" oder "natürlich" sind in wissenschaftlichen Texten fehl am Platz. Prüfer streichen solche Stellen an und werten sie als mangelnde Sorgfalt. Gleiches gilt für "man" als unpersönliches Subjekt. Wer ist "man"? Benenne es konkret.
Vorher:
"Das Ergebnis ist halt nicht so eindeutig, wie man denken würde."
Nachher:
"Das Ergebnis fällt weniger eindeutig aus als erwartet."
Schachtelsätze mit 40+ Wörtern
Wenn ein Satz mehr als 30 Wörter hat, verliert der Leser den Faden. Faustregel: Ein Gedanke pro Satz. Nebensätze, die mit "welche", "wobei" oder "insofern als" beginnen, sind oft Warnsignale.
Vorher:
"Die Ergebnisse der Studie, welche im Rahmen einer quantitativen Befragung von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an drei deutschen Universitäten im Sommersemester 2025 durchgeführt wurde, zeigen, dass die Mehrheit der Befragten der Aussage zustimmt."
Nachher:
"Die quantitative Befragung umfasste Studierende der Wirtschaftswissenschaften an drei deutschen Universitäten im Sommersemester 2025. Die Mehrheit der Befragten stimmte der Aussage zu."
Unbelegte Behauptungen
Jede Aussage, die kein Allgemeinwissen ist, braucht einen Beleg. "Allgemeinwissen" heißt: Dinge wie "Die Erde ist rund" muss man nicht belegen. Aussagen über Forschungsergebnisse immer.
Vorher:
"Social Media hat einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen."
Nachher:
"Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und depressiven Symptomen bei Jugendlichen (Twenge & Campbell, 2019; Haidt, 2024)."
Passiv-Überflutung
Passivkonstruktionen sind in der Wissenschaft üblich, aber drei Passivsätze hintereinander machen den Text schwer lesbar. Wechsle ab: Aktiv und Passiv im Mix. Der Text gewinnt sofort an Klarheit.
Vorher:
"Es wurde festgestellt, dass die Daten erhoben wurden, woraufhin eine Analyse durchgeführt wurde."
Nachher:
"Die Auswertung der erhobenen Daten zeigt, dass..."
Absolute Formulierungen ohne Grundlage
"Beweisen", "eindeutig", "zweifellos", "offensichtlich": Solche Wörter signalisieren fehlende wissenschaftliche Vorsicht. In der Wissenschaft "deuten Ergebnisse hin", "legen nahe" oder "stützen die Hypothese". Nur replizierte Experimente mit hoher Effektstärke "belegen" etwas.
Vorher:
"Die Ergebnisse beweisen eindeutig, dass Homeoffice die Produktivität steigert."
Nachher:
"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Homeoffice unter bestimmten Bedingungen mit höherer Produktivität einhergeht."
Füllwörter und Floskeln
"Durchaus", "grundsätzlich", "im Grunde genommen", "an dieser Stelle sei erwähnt": Diese Floskeln blähen den Text auf, ohne Inhalt zu liefern. Streich sie, und der Satz wird besser. Wenn ein Wort nichts zur Aussage beiträgt, gehört es nicht in den Text.
Vorher:
"In diesem Zusammenhang ist es durchaus sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass die Thematik grundsätzlich von Relevanz ist."
Nachher:
"Die Thematik ist relevant, weil..."
Inkonsistente Zeitformen
Theoretische Grundlagen stehen im Präsens ("Müller argumentiert"). Die eigene Erhebung steht im Präteritum ("Die Interviews wurden im Juni 2025 durchgeführt"). Ergebnisse können im Präsens stehen. Wähle eine Logik und zieh sie durch.
Vorher:
"Müller (2020) zeigt, dass... Die Ergebnisse bestätigten die Hypothese. Smith argumentierte, dass..."
Nachher:
"Müller (2020) zeigt, dass... Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese. Smith argumentiert, dass..."
Fehlende Übergänge zwischen Absätzen
Absätze, die ohne Verbindung nebeneinander stehen, zerstören den roten Faden. Jeder neue Absatz braucht entweder einen Übergangs-Satz oder eine klare inhaltliche Verbindung zum vorherigen. Prüfer nennen fehlende Übergänge regelmäßig als Schwachpunkt.
Vorher:
"[Absatz über Theorie A endet] [Neuer Absatz über Theorie B beginnt ohne Bezug]"
Nachher:
"Während Theorie A den Fokus auf X legt, betont Theorie B stattdessen den Aspekt Y."
Zu viele direkte Zitate
Wörtliche Zitate sollten die Ausnahme sein, nicht die Regel. Paraphrasieren zeigt, dass du den Inhalt verstanden hast. Zitiere wörtlich nur, wenn die exakte Formulierung entscheidend ist (Definitionen, Gesetze, prägnante Thesen).
Vorher:
Drei wörtliche Zitate auf einer Seite, jeweils 3-5 Zeilen lang.
Nachher:
Paraphrasierte Kernaussagen mit eigener Einordnung und maximal ein kurzes wörtliches Zitat pro Seite.
Kein Absatz-Fokus
Ein Absatz, ein Gedanke. Der erste Satz führt das Thema ein (Topic Sentence). Die folgenden Sätze belegen und erklären es. Der letzte Satz schließt ab oder leitet zum nächsten Absatz über. Wenn ein Absatz länger als 10-12 Zeilen wird, prüfe, ob er nicht zwei Themen vermischt.
Vorher:
Ein Absatz behandelt Methodik, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen gleichzeitig.
Nachher:
Jeder Absatz hat ein Thema, einen Einleitungssatz und einen Abschlusssatz.
Schnell-Check: 5 Fragen an jeden Absatz
Geh deine Arbeit Absatz für Absatz durch und stell dir diese fünf Fragen:
Stecken diese Fehler in deiner Arbeit?
AbschlussCheck analysiert nicht nur Inhalt und Struktur, sondern auch Sprache und Stil. Du bekommst konkrete Hinweise mit Zitat aus deiner Arbeit, damit du weißt, wo du nachbessern musst.